Reise durch die Nacht 

(Leseprobe)
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Ich sicherte die Eingangstür und warf den Schlüssel in den Briefkasten. Ohne einen einzigen Blick zurück zu werfen, entfernte ich mich von dem Haus, in dem bis vor kurzem drei Menschen glücklich gelebt hatten. Ich verließ es als Letzter, sperrte die Erinnerungen ein und machte mich auf den Weg, mein Leben, in dem die Vergangenheit ausgelöscht und die Zukunft Vergangenheit waren, zu suchen.

Es war an der Zeit, Anna und Lucia zu finden und ihnen zu folgen.

Wie ein Hund schnüffelte ich ein letztes Mal am Gartenzaun, an dem meine Tochter gelehnt hatte, wenn sie die Inliner schnürte. Ein letztes Mal streifte ich mit der Hand über die Buchsbaumhecke, die Lucias Mutter mit Hingabe gepflegt hatte. Jetzt würde sie eingehen, wie alles früher oder später einging.
Ich warf mich hinters Steuer. Auf der Autobahn beschleunigte ich, bis ich die Zeit überholte.

„Fahr bitte nicht so schnell, Carl“, zitterte Annas Stimme und ihre Hand strich zärtlich über meinen Arm.
Ich wandte mein Gesicht halb zu ihr. Sie drehte den Kopf nach hinten zu unserer Tochter. Sie atmete gleichmäßig und gluckste im Schlaf.

„Ich gebe acht“, beruhigte ich Anna und blickte in ihre Richtung.

Sie war verschwunden. 

„Ich bin schneller als der Tod“, brüllte ich gegen die Windschutzscheibe und trat das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. 200, 220 Sachen. Der Zeiger des Tachometers erreichte bebend die 230. Ich würde den Tod einholen und ihn zur Rede stellen.
Warum hatte er mich vergessen?
Nach fünftausend Erinnerungen traf ich in Paris ein. Ich kletterte aus dem Wagen und fand mich vor dem Eingang des Hotels Arc de Triomphe im 17. Arrondissement wieder.