Schwalben vorm Fenster

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Als er seinem Alltag davonfuhr, konnte er nicht ahnen, dass er ihn nie wieder zurückbekommen sollte. Er wollte ihm nur für ein Jahr den Rücken kehren, vielleicht auch für zwei, maximal. Die Umstände und seine Lust hätten über die Dauer seines Fortbleibens entschieden.

Wäre er geblieben, wenn er gewusst hätte, dass es ein Abschied für immer sei? Wäre er geblieben?

Er dachte darüber nach.

Nein! Er hätte sich nur anders verabschiedet, intensiver vielleicht.

„Hast du die Schwalbe gesehen?“, fragte er seine Freundin, die auf einem Stuhl vor dem Bett saß, in dem er lag.

Ihre Antwort bestand aus dem Geräusch, das ihre Finger verursachten, wenn sie die Katalogseiten voneinander trennte. Es klang wie nackte Fußsohlen, die über Linoleum rutschten. Im nächsten Moment schlug sie die Seite um – das Geräusch einer Welle, die aufs Ufer klatschte. Quietschen nasser Fußsohlen und klatschende Wellen wiederholten sich. Immer die gleiche Abfolge. Quietschen, Klatschen, Quietschen, Klatschen. Nur der Rhythmus änderte sich. Schnell, schnell, langsam, schnell, langsam… je nachdem, wie lange sie auf einer Seite verweilte.

„Hast du die Schwalbe gesehen?“, fragte er noch einmal, „Der Sommer ist  vorbei.“

„Ja, der Sommer ist vorbei“, wiederholte sie seine Worte, die sich geschmeidig in Quietschen und Klatschen einfügten.

Er sah sie an. Sie hob nicht einmal den Kopf, um über ihn hinweg durchs Fenster zu schauen, um sich von dieser Tatsache zu überzeugen.